Loslassen
Loslassen ist einfach in der Überlegung, aber schwierig in der Durchführung. Warum ist es wichtig, wie funktioniert es und wo liegen unsere Schwierigkeiten?
Hintergrund – Funktionsweise – Schwierigkeit
Im nachstehenden Text möchte ich aus Sicht der spirituellen Metaphysik drei grundlegende Fragen zum Thema „Loslassen" beantworten. Der gesamte Hintergrund ist sehr vielschichtig und würde ein Buch füllen. Daher versuche ich nur eine Schicht herauszuarbeiten. Aus den persönlichen Überlegungen zu meinen Antworten kann sich jeder Leser und jede Leserin seine/ihre eigene Vorgangsweise konstruieren.
Warum ist Loslassen wichtig?
Jedes Bewusst-Sein will sich entwickeln. Es entspricht seinem Selbstverständnis, weil es der Sinn ist, warum es überhaupt existiert. Um diese Entwicklung durchführen zu können, braucht es eine ständig steigende Ausgangsbasis. Das ist eine - im Vergleich zur vorher gegangenen - höher gelegene Ebene in derselben Angelegenheit. Für uns Menschen geht es dabei meistens um Probleme.
Wenn wir zum Beispiel im Mittelalter mit dem Hungertod gekämpft haben, dann stehen wir in der jetzigen Konsumgesellschaft vor dem Problem, übergewichtig zu werden. Das ist ein und dieselbe Energie, nur die Ebene für unsere Erfahrungen hat sich verschoben. Im Vergleich zum Mittelalter (zu wenig Nahrung) ist die Situation heute viel subtiler und schwieriger geworden (zu viel Nahrung). Das heißt, nach wie vor handelt es sich um die problematische Seite der Energie "Nahrung", nur die Voraussetzungen sind andere.
Die Yin/Yang-Scheibe unseres Lebens ist in ständiger Bewegung. Sie dreht sich um ihre eigene Achse und verschraubt so ihren Mittelpunkt immer höher. Dadurch können fortlaufend neue Ebenen eines Themas gefühlt und menschlich eingeordnet werden. Wäre dem nicht so, dann würde sich unsere Entwicklung im Kreis drehen und nach einmaligem Durchlauf sinnlos werden. Außerdem ist es uns Menschen nicht möglich, die vielen energetischen Schichten einer einzigen Sache gleichzeitig wahrzunehmen. Unser Körper, allen voran der Verstand, könnte die Fülle der Energie nicht verkraften und die Vielfältigkeit unserer Schöpfungen ginge verloren. Dies gilt natürlich nicht nur für dieses Leben, sondern vielmehr noch überspannt es mehrere oder alle unsere Inkarnationen.
Unsere Welt ist linear. Im Irdischen hat alles einen Anfang und ein dazugehöriges Ende. Dazwischen liegt die Linie der Zeit entlang der sich die Ereignisse in unserer Realität harmonisch verwirklichen. Dem Problem folgt zeitlich versetzt die Lösung. Dem nächsten Problem folgt die nächste Lösung und dem übernächsten Problem folgt die übernächste Lösung. Eine Yin/Yang-Situation nach der anderen. Schritt für Schritt immer höher. Damit stürzt die Energiefülle einer Sache nicht gleich-zeitig auf uns ein, sondern wird menschlich verarbeitbar. Dies gilt für den Menschen im einzelnen, sowie für die gesamte Menschheit. Ein Individuum ist ganz für sich und ein Teil des Ganzen im Kollektiv.
Die duale Eigenschaft der Schöpferenergie innerhalb der wir seit Jahrtausenden erschaffen, geht ihrem Ende entgegen. Das heißt, wir brauchen keine Erfahrungen in der Zweiseitigkeit mehr. Das ist auch der Grund, warum die Neue Energie als eine in sich bereits vollständige Schöpfungsumgebung entstanden ist. Mit anderen Worten, wir haben innerhalb eines Zusammenhangs von „Freud und Leid" ausgelernt und wollen ihn daher auch nicht mehr haben. Wir streben nach neuen Erfahrungen. Man könnte auch sagen, das Negative ist schlichtweg langweilig geworden. Damit begeben wir uns als Menschen auf eine völlig neue Ebene in der Suche nach unserem Höheren Selbst (nach uns). Um diese neue Ebene auch betreten zu können, ist es notwendig das Alte aufzugeben.
Bisher sind wir mit dem Auto von A nach B gereist und mussten fünf Stunden Fahrzeit aufwenden. Jetzt besteht die Möglichkeit, es mit dem Flugzeug in nur einer Stunde zu schaffen. Das geht aber nur, wenn wir das Auto stehen lassen. Solange wir es benützen wollen oder glauben, nur mit der alten Rostlaube die Strecke bewältigen zu können, bleibt uns das Flugzeug verschlossen. Erst wenn wir das Auto loslassen, sind wir für den Flieger frei. Bis zum Flughafen hatte es uns ja gebracht, aber für ein schnelleres Reisen müssen wir seine Unzulänglichkeit akzeptieren. Das ist auch der Grund, warum vielen Menschen jetzt – symbolisch – das Auto genommen wird. Genau betrachten, vernichten sie es selbst.
Loslassen bedeutet, die Freiheit des Besseren für sich möglich zu machen.
Wie funktioniert es?
Kommt die Yin/Yang-Scheibe in einer bestimmten Angelegenheit oder generell in unserem Leben am Ende ihrer Schraubenlinie an, beginnt die Neue Energie zu wirken. Solange dieses Ende nicht erreicht ist, kann auch die Neue Energie nicht in unser Leben treten. Ursache ist der unterbewusste Wille des menschlichen Schöpfers, der/die noch mehr Erfahrungen innerhalb einer Dualität von Yin und Yang machen will. Mit anderen Worten, der Erschaffer gibt die jeweilige Energie noch nicht frei.
Wer aber will weiter innerhalb der Extreme von Gut und Böse leben? Vielmehr besteht doch ein inniger Wunsch, der leidvollen Seiten unseres Daseins endlich entrinnen zu können. Oder nicht?
Genau da liegt auch der Hase im Pfeffer. Wir haben uns für die Freude und das Glück entschieden. Aus diesem Grund möchten wir sie auch ganz bewusst in unsere Realität bringen. Es hat damit begonnen, dass wir im vorigen Jahrhundert Kenntnisse über die Kraft der Gedanken erlangt haben und seither versuchen, das Positive vom Negativen zu isolieren. Genau genommen tun wir alles, damit es uns gut geht. Aber im Endeffekt blockieren wir dadurch die Yin/Yang-Scheibe. Wir sind bemüht Gutes zu erschaffen und übersehen dabei, dass es das Gegen-Teil von Schlechtem ist. Somit bleiben wir in der alten Dualität verhaftet und die Neue Energie hat keinen "Raum". Die alte Energie hält ihn besetzt. Aufgrund unserer Bemühungen halten wir sie umklammert und sie kann zugunsten der nächsten Ebene nicht gehen.
Durch den Ablauf von Zeit dreht die Yin/Yang-Scheibe mit einer dem Schöpfer angemessenen Geschwindigkeit automatisch. Sobald wir eine Seite der Scheibe beschleunigen oder bremsen, das heißt, irgendwelche Methoden (z.B. Vorstellungen, positives Denken) für das Gute einsetzen oder verkrampft daran festhalten, behindern wir sie in ihren letzten Umdrehungen. Die Notwendigkeit ihrer Existenz wird bestätigt und die dementsprechende Energie kann sich nicht auflösen.
Geben wir sie aber frei, dann kann sie ihrem Selbstverständnis gemäß weiter drehen und von selbst das Ende ihrer Schraubenlinie finden. Das ist dann der Zeitpunkt, wo sich die niedrige Schwingung des Dunklen der hohen Schwingung des Hellen anpasst. Dadurch kommen beide Seiten der Energie ins Gleichgewicht und ihr Einfluss auf uns ist harmonisiert. Der "Raum" wird für die Neue Energie frei.
Loslassen bedeutet, die Freiheit vom Positiven für sich möglich zu machen.
Was ist am Loslassen so schwierig?
Als Menschen sind wir die Dualität gewohnt. Über viele Jahrtausende ist sie uns vertraut geworden und wir haben gelernt, damit umzugehen. Der Kampf mit seinen Siegen und Niederlagen liegt uns viel näher als die Akzeptanz und Annahme. Unsere Vorstellungen sind auf aktives Tun fokussiert. Damit konnten wir bisher überleben. Passives Nichts-Tun setzen wir mit dem Tod gleich. Wir glauben, wenn wir loslassen, also nicht mehr um den Sieg kämpfen, verlieren wir. Im Extremfall das Leben. Daher bemühen wir uns mit allen Mitteln von der dunklen auf die helle Seite zu gelangen.
In der Vergangenheit war es auch die einzige Möglichkeit wie wir unsere gefühlsbedingten Zustände wieder ins Lot bringen konnten. Jetzt haben wir zwar noch immer emotionelle Unstimmigkeiten (Probleme), aber der Kampf funktioniert immer weniger. Teilweise versagt er bereits zur Gänze. Die vertraute Herangehensweise bleibt wirkungslos oder der Schuss geht sogar nach hinten los. Und das macht uns orientierungslos wie ein kopfloses Huhn. Wir haben keine Waffe mehr mit der wir uns gegen das Unangenehme und Schmerzvolle wehren können. Die Angst einer Nacktschnecke auf der Autobahn findet unser Mitgefühl. Früher konnten wir etwas dagegen unternehmen und in weiterer Folge hat sich dadurch auch die Situation wieder verändert. Nun aber ist es anders!
Warum?
Weil es nicht mehr darum geht, einfach nur vom Negativen ins Positive zu kommen, um in weiterer Folge doch wieder im Negativen zu landen. Damit meine ich, es geht nicht mehr darum, einen Kampf zu gewinnen, der dann doch wieder eine Niederlage nach sich zieht. Vielmehr sollen wir das Schlachtfeld verlassen. Es ist nicht mehr notwendig zu kämpfen, weil es keinen besiegbaren Gegner mehr gibt Wozu in schwerer Rüstung mit erhobenem Schwert herumlaufen und schweißtreibende Anstrengungen unternehmen, wenn der Feind bereits auf dem Rückzug ist? Es braucht einfach nur etwas Zeit bis er endgültig weg ist.
Können wir dann nicht gleich auch vom Schlachtfeld gehen? Was tun wir eigentlich noch hier?
Es hat ja sowieso keinen Sinn mehr, denn der Krieg ist vorbei! Und daher können wir weder siegen, noch verlieren. Im Moment bleibt uns zwar lediglich das Staunen über die Trümmer, die wir hinterlassen, aber sobald wir unserem Schlachtfeld den Rücken zukehren, ist auch das vorbei! Damit betreten wir aber eine Ebene, die wir nicht kennen. Es ist die Ebene des beginnenden Göttlichen Menschens! Das ist eine Person, die sich der Verbindung mit ihrem Höherem Selbst, dem Göttlichen Teil des Individuums, bewusst ist und dementsprechend handelt.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es ein unvorstellbarer Zustand ist, dessen Gefühle jenseits von gut und böse sind. Es ist ein bisschen schwierig mit Worten zu beschreiben und auch erst in wenigen Angelegenheiten der Fall, aber der Augenblick des Seins in der Neuen Energie trägt eine Fülle von Erfahrungen des irdischen Lebens.
Negative Situationen, die mich früher in Wut oder Frustration versetzt haben, sehe und spüre ich zwar noch, aber sie lösen keine unangenehmen Gefühle mehr aus. Sie sind einfach nur Erfahrungen mit einem Hang zur freudigen Erfüllung. Es gäbe noch mehr darüber zu berichten, aber zusammenfassend kann ich sagen: Dort wo ich aufgegeben habe (aufgeben MUSSTE), hat die Angelegenheit ihre schlechten Seiten verloren und eine Freude entwickelt, die weit über dem liegt, was ich bisher gekannt habe.
Loslassen bedeutet, die Freiheit vom Zwang des Tuns für sich möglich zu machen.
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