Pfeif´ auf die Neue Energie
Wer sich weder um das Positive, noch um das Negative kümmert, braucht sich auch nicht mehr um die Neue Energie kümmern. „Loslassen vom Loslassen“ bedeutet einfach nur tun und der Rest entsteht von selbst. 
Loslassen für Fortgeschrittene
Loslassen vom Negativen hält das Drama am Leben. „Loslassen vom Loslassen" hingegen ist die Befreiung des Bewusst-Seins aus der Dualität. Damit wird automatisch die Neue Energie aktiviert. Wer sich weder um das Positive, noch um das Negative kümmert, braucht sich auch nicht mehr um die Neue Energie kümmern. Einfach nur tun und der Rest entsteht von selbst.
Vor einigen Jahrzehnten wurde uns die Kraft der Gedanken bewusst. Wir entdeckten sie als persönliche Initiative zur Schöpfung. Was wir durch unser Denken und Fühlen aussenden, kommt in der Materie wieder zurück. Demzufolge entschlossen wir uns, nur mehr Gutes denken zu wollen, denn dann kann auch nur mehr Gutes zurück kommen. Dadurch entstand die Methode des „positiven Denkens" mit der das Licht von der Dunkelheit getrennt werden sollte.
Irgendwie scheint es aber nicht so ganz zu klappen. Es kann gar nicht klappen, weil die Schöpfungsenergie immer zweiseitig ist. Mit jeder „Bestellung beim Universum" ordern wir gleichzeitig auch dessen Gegen-Teil, um letztendlich ein harmonisches Ganzes zu erfahren. Yang kann ohne Yin nicht existieren und umgekehrt. Verbrecher brauchen CSI Miami. Und was wäre CSI Miami ohne Verbrecher?
Im nächsten Schritt begannen wir uns mit dem unvermeidlich Negativen auseinander zu setzen. Indem wir den Kampf für das Gute und die eigenen Vergewaltigungen mit Affirmationen aufgaben, versuchten wir frei zu werden. Damit glaub(t)en wir den Schlüssel des „Loslassens" gefunden zu haben.
Wenn wir das Negative ohne jeden Widerstand geschehen lassen, steigen wir aus dem betreffenden Drama aus. Jeder Kampf dagegen versorgt es mit Energie und hält es weiter am Leben. Das ist eine metaphysikalische Tatsache! Aber wie wir alle wissen, ist die Praxis leider oft eine andere. Meist ist es sehr schwierig, nicht erwünschte Situationen, Tragödien oder unangenehme Zustände wirklich anzunehmen. Der Verstand mit all seinen Erinnerungen an die Vergangenheit und der daraus aufbauenden Logik für eine wahrscheinliche Zukunft macht es oft mühevoll. Das irdisch fokussierte Oberstübchen kennt eine Menge Argumente, warum es auch dieses Mal schief gehen wird. Letztes Mal war es doch genauso!
Die Akzeptanz des Negativen ist das Sprungbrett zum Verlassen der Alten Energie. Damit kann die letzte Umdrehung der Yin/Yang-Scheibe ihr Ende finden (zumindest in dieser Angelegenheit). Lassen wir die Alte Energie gehen, dann wird automatisch der „Raum" für die Neue Energie frei. Aber wirkt sie deswegen auch schon?
Neue Energie
Die Neue Energie ist das Wunschbild vieler channeling-interessierter Menschen geworden. In der Zwischenzeit hat sich sogar ein spiritueller Wertmaßstab entwickelt: „Ich bin schon in der Neuen Energie und du noch nicht, bäh!" Meiner Meinung nach ist es aber völlig unwichtig, ob man „dort" ist oder immer noch „da" weilt.
Viel wichtiger ist es, die einprogrammierten Glaubenssysteme aufzulösen und sich selbst zu leben. Ob nun die Neue Energie wirkt oder nicht, ist dabei ohne Bedeutung. Wenn der Zeitpunkt da ist, dann wirkt so wie so von sich aus und wenn es noch nicht soweit ist, dann wirkt sie eben noch nicht. Loslassen bedeutet vor allem auch, Wunschbilder und fixe Vorstellungen der Zukunft aufzugeben.
Die Aktivierung der Neuen Energie braucht mehr als nur die Akzeptanz des Unerwünschten. Sie verlangt die Freiheit vom Positiven und Negativen. Solange das Negative Beachtung findet, sei es auch nur durch „ehrlich hinsehen und annehmen", bleiben wir mit dem Drama in Berührung. Selbst wenn dies bereits auf sehr hohem und subtilem Niveau geschieht, findet die Dualität dennoch eine Resonanz und wird so genährt. Solange Falsches „richtiges" Annehmen bedarf, existiert die Zweiseitigkeit in unserer Realität.
Jenseits von Gut und Böse
Wirklich loszulassen bedeutet, sich weder um das Eine, noch um das Andere zu kümmern. Loslassen vom Loslassen! Das bringt die Neue Energie ins Spiel, weil sich ein dualitätsfreies Bewusst-Sein nur mehr durch ihre ausdehnende Eigenschaft erfahren kann. Die Alte Energie trägt keine Freiheit. Sie unterliegt einem ständigen Zwang zum inneren Ausgleich. Wird das Licht belebt, muss auch die Dunkelheit aktiv werden, um nach einer bestimmten Zeit mit dem Licht in ein Gleichgewicht zu kommen.
Im Gegensatz dazu ist die Neue Energie nicht nach innen, sondern nach außen gerichtet. Für ein Bewusst-Sein, das nicht mehr am Leid interessiert ist, bietet nur die singulare Ausdehnung eine angemessene Umgebung. Daher wird auch keine Dualität mehr angezogen, sondern der Wille eines Schöpfers ohne dessen Gegen-teil manifestiert. Genau deswegen ist die Neue Energie als neue Schöpfungs-Umgebung entstanden. Wie sollten wir uns sonst außerhalb der Dualität weiter entwickeln können?
Einfach nur tun, weil man es so will! Und keinen Gedanken an die Zukunft verschwenden!
Dadurch kann die Manifestation des Willens expansiv und ohne Einschränkungen in der Realität entstehen.
Ob die eigene Handlung zum Erfolg führt, ein Misserfolg akzeptiert werden muss oder Zweifel/Ängste/Sorgen vorhanden sind, sollte keine Überlegungen Wert sein. Die Göttliche Souveränität eines menschlichen Schöpfers steht über den guten und schlechten Dingen. Vor allem steht sie über der eigenen Vergangenheit und ist an einer Manipulation der Zukunft nicht interessiert. Der Fokus eines menschlichen Schöpfers ist auf das Jetzt gerichtet (soweit dies als Mensch eben möglich ist). Und das gesamte Universum reagiert darauf.
Wahrscheinlich gelingt es anfangs nur selten und auch dann nur in bestimmten Situationen. Möglicherweise braucht es einen geistig passiven/negativen Zustand, wie z. B. Depression, Frustration, Müdigkeit, Gefühl der Sinnlosigkeit, usw., um die Gedanken abschalten zu können. In diesem Zustand handelt man oft einfach nur ohne viel nachzudenken.
Jenseits von Gut und Böse zu sein, ist ein Gefühl der Freiheit, das einem nicht mehr los lässt. Es ist das Bewusst-Sein völliger Gelassenheit, unendlicher Kraft und eines in der Materie zentrierten Wesens überirdischer Natur. Leider bestimmt es meinen Alltag noch nicht zur Gänze, aber zumindest trifft es einen alten Bier-Werbesport: „Nicht immer, aber immer öfter!"
Beispiel aus der Praxis (Erfahrungsbericht):
In der Nähe meiner Heimatstadt gibt es eine Radtour auf einen Berg von der heftigen Sorte. Dieser „Hügel der Qual" gehört zum Standardprogramm im Frühjahr und endete jedes Mal mit „Hax´n im Eimer". Nach einer Erholungsdauer von 3 -4 Tagen sind sie dann wieder halbwegs einsatzfähig.
So auch im April 2010. Als ich meinen geschundenen Allerwertesten endlich wieder in eine schmerzfreie Position bringen konnte, maulten meine Oberschenkel: "Maximal in den 1. Stock auf die Couch vor die Glotze noch. Dann reicht es!"
Und was kam in der Glotze? Die Wetterprognose für den kommenden Tag mit strahlendem Sonnenschein und lauen Frühlingstemperaturen. Das bedeutete Firn in den Bergen. Einige Zentimeter butterweicher Schnee auf harter Unterlage und geringe Lawinengefahr. Nicht ohne meine Carver! Was gibt es Schöneres (außer 20 cm Pulver)? Da musste ich unbedingt dabei sein.
Interessiert mich nicht!
Am nächsten Morgen war ich ziemlich müde. Vehement erinnerten mich meine Oberschenkel an die Radtour. Interessierte mich nicht! Nach einer Stunde Autofahrt schnallte ich meine Tourenskier an und ging los. Ein dreistündiger Aufstieg, unterbrochen durch zwei längere Abfahrten, erwartete mich. Erschwerend hinzu kam, dass ich nicht in den üblichen Kunststoff-Skischuhen unterwegs war, sondern in Bergschuhen. Normalerweise sind diese Schuhe viel zu weich, um damit die Skier ordentlich führen zu können. Aber wenn man tief genug in die Hocke geht, dann klappts ganz gut. Eine tiefe Hocke bringt jedoch eine maximale Belastung der Oberschenkelmuskulatur mit sich.
Interessiert mich nicht!
In solchen Situation habe ich immer einen emotionellen Plan B vorbereitet: „Bevor eine Tour zur echten Quälerei wird, drehe ich besser um. Was solls. Ist eben heute so." Jedenfalls bin ich auf eine Nicht-Erfüllung meines Wunsches vorbereitet, um das Negative auch spontan annehmen zu können. Ansonsten würde es zum Ärgernis werden und mir den restlichen Tag vermiesen. Zusätzlich bin ich nicht unbedingt der voll durchtrainierte Marathonsportler.
Bereits beim Weggehen spürte ich, dass dieses Mal alles anders war. Weder Plan A, noch Plan B oder meine Oberschenkel berührten mein Denken. Ich lebte einfach nur meine Leidenschaft und schob einen Fuß vor dem anderen. Sonst nichts! Die Sonne wärmte mich und das lebensfrohe Zwitschern der Vögel erfüllte mein Herz. Der Rhythmus meines Körpers ließ mich ohne Einschränkungen auf der Erde leben und zugleich hatte ich das Gefühl, nicht von dieser Welt zu sein. Nichts brauchte mich zu interessieren, weil alles da war. Welche Strecke bereits hinter mir und welche Strecke noch vor mir lag, hatte keine Bedeutung.
Ich habe in meinem Leben schon so manchen mystischen Zustand erlebt. Aber diese belastungslose Schwere verbunden mit der völligen Freiheit, die eins mit allem ist, war total neu für mich.
Der Verstand schreit...
Nach der zweiten Abfahrt begann sich mein Verstand zu melden: „He, da stimmt doch was nicht. Gestern die Radtour und jetzt, nach bereits 2 Stunden Aufstieg und der zweiten Abfahrt? Die ganze Tour ist ein einziges Vergnügen ohne auch nur die geringsten Ermüdungserscheinungen?" Irgendwie hat er ja Recht, dachte ich, es widerspricht jeder Logik und Erfahrung.
Ich begann zu provozieren. „Schneller! Ich möchte mehr Höhenmeter machen". Und ich ging problemlos schneller. Einige Minuten später schoss mir der Gedanke durch den Kopf, ich muss sofort langsamer gehen, sonst halte ich nicht durch. Und ich ging langsamer. Alles was ich wollte, geschah auch genauso, aber es hatte keine Stimmigkeit. Nicht mein Herz verschaffte sich durch ein bestimmtes Tun Ausdruck, sondern mein Verstand befehlte es aus Angst und Verwirrung.
...und versteht die Welt nicht mehr
Plötzlich kommunizierte mein Körper mit irgendetwas oder irgendwen außerhalb meiner Wahrnehmung. Im selben Augenblick wusste er, wie er sich bewegen soll, um meinen Willen des Herzens erfüllen zu können. Intuitiv begriff ich, dass der Körper selbst ohne jede Pause unendlich lang aktiv sein könne. Lediglich ich sage ihm durch meine Glaubenssysteme, wann er müde oder schmerzend zu sein hat. Alles im Universum reagiert auf meinen Willen – nur ich nicht. Bin ich wirklich so dämlich?
Meinem Verstand verschlug es schlichtweg die Sprache. Das war zuviel für den armen Kerl. Jetzt verstand er die Welt endgültig nicht mehr. Anscheinend gibt es Dinge zwischen Himmel und Erde, die real sind trotzdem er sie nicht kennt. Das darf doch nicht sein! Oder doch? Für den restlichen Tag hörte ich keinen Mucks vom Oberstübchen mehr.
Die Moral von der G´schicht ist:
Einfach nur tun! Alles andere ist unwichtig.
Tja, wie bereits erwähnt: „Nicht immer, aber immer öfter!"
Inhalt Allgemein
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© 2009 Heinrich Kohlmeyer E
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