Zeit, wofür ist sie?

Der geradlinige Ablauf unseres Lebens verhindert, dass alle Ereignisse gleichzeitig auf uns einstürzen.

 

Wir Menschen leben in "Raum und Zeit". Alles, was materiell ist, braucht auf Grund seiner dreidimensionalen Ausmaße von Länge, Breite und Höhe einen entsprechenden Platz auf der Erde. Auch die Erde selbst beansprucht einen relativen Raum innerhalb des Universums, dessen Rand die absolute Grenze bildet. Aber alles existiert immer nur eine begrenzte Zeit lang. Materie ist vergänglich. Genauso, wie der Mensch durch "Geburt" entsteht und mit "Tod" endet, hat auch das gesamte Universum ein Ablaufdatum. Es wurde zu einem bestimmten Zeitpunkt explosionsartig geboren und wird irgendwann durch eine Implosion verschwinden. Dazwischen liegt "Entwicklung". Und diese Entwicklung hat mit "Veränderung" zu tun.

Vor ca. 4,6 Milliarden Jahren war die Erde ein lebensfeindlicher heißer Klumpen, und nun ist sie ein blauer Planet geworden, das heißt, sie hat sich entwickelt. Ihre Erscheinungsform durchlief viele Stadien der Veränderung, bis es so weit war. Auch eine Rose ist zuerst ein Samen, dann ein Keimling und schließlich eine wunderschöne Blume.

Egal, ob etwas in materieller oder energetischer Form existiert, es unterliegt immer einem kontinuierlichen Wandel. Im Besonderen trifft dies auf uns Menschen zu. Das Leben besteht aus einer lückenlosen Aneinanderreihung von Situationen und Zuständen. Es dient zur Entwicklung unseres individuellen und kollektiven Bewusst-Seins. Da wir aber nur die Gegenwart wahrnehmen können, brauchen wir Ereignisse, die linear ablaufen. Anderenfalls würde alles gleichzeitig auf uns einstürzen, und ein derartiges Chaos wäre für uns nicht verwertbar. Wir könnten keine Lehren daraus ziehen. Es ist, als würden wir im Kino sitzen. Ein Bild nach dem anderen wird belichtet und auf die Leinwand vor uns geworfen. Zusammen ergeben die Bilder einen unterhaltsamen Film. Alle Bilder gleichzeitig zu betrachten, würde zwar nur einen Augenblick dauern, ist aber unmöglich. Aus diesem Grund stellen sich die Veränderungen quasi hintereinander an. Die Abarbeitung jedes Ereignisses benötigt eine unterschiedlich lange Dauer. Auf der Ebene des "Raumes" ergibt sich damit die Dimension der Zeit. Es ist wie beim erwähnten Film. Die Gleichzeitigkeit funktioniert nicht, also brauchen wir 90 Minuten bis wir alle Bilder gesehen und auch registriert haben.

Mit anderen Worten, Zeit entsteht durch Veränderungen und Veränderungen ergeben die Zeit. Beide Komponenten sind voneinander abhängig, und keine kann alleine existieren. Was wir in unserer vierdimensionalen Welt als einen geradlinigen Ablauf empfinden, ist in Wahrheit ein Kreis.

Für diese Theorie gibt es einen Gegenbeweis: Würde man jede Veränderung stoppen, so dass sich nichts mehr bewegen könnte, dann gäbe es auch keine Zeit mehr! Wenn der Mensch, die Welt und das Universum von einer Sekunde auf die andere einfrieren würde, hätte die Zeit jeden Sinn verloren.


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